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Biographie  

Ilona Peuker - Biographie

Ilona Peuker war eine brillante Kuenstlerin, Schoepferin, Meisterin und Technikerin in Rhythmischer Gymnastik. Sie wurde am 29. Juli 1915 in Budapest, Ungarn, geboren und ist am 13. Februar 1995 in Brasilien, Rio de Janeiro, verstorben.


Ilona Peuker. Ungarn, Jahr 1941.

Ilona Peuker schuf eine eigene Schule fuer Bewegung und war verantwortlich fuer die Verbreitung der Rhythmischen Gymnastik in Brasilien. Sie fuehrte sie im gesamten nationalen Bereich ein und verwaltete und hielt Hunderte von Kursen, abgehalten fuer Gymnastiker, Berufserzieher und berufliche Leibeserzieher.

Ihre berufliche Wahl missfiel zu Beginn ihren Eltern, die in ihrer Tochter Moeglichkeiten sahen, die sie zu einem intellektuellen Beruf auf einem anderen Gebiet haetten fuehren koennnen. Aber Ilona war unbeugsam in ihrer Entscheidung, sich dieser Berufsrichtung zu widmen und gruendete, zuerst in der Residenz ihrer Eltern, eine sehr erfolgreiche Tanzschule, der sie sich vom Jahre 1937 bis 1944 widmete. In diesem Jahr fielen die Russen in Ungarn ein und ihre Familie sah sich gezwungen, sich voruebergehend in Oesterreich niederzulassen.


Hochzeit von Véghely Ilona und Emil Peuker in der Lutheranischen Kirche.
Ilona betritt die Kirche begleitet von ihrem Vater, Véghely Dezsoe,
und ihrer Mutter, Véghely Erzsébet, im Hintergrund den Schleier
des Brautkleides tragend. Budapest, Ungarn, 09.07.1941
.

In dieser Zeit war Ilona bereits verheiratet mit dem Oesterreicher Emil Peuker, die Ehe war im Jahr 1941 geschlossen worden, bei welcher Gelegenheit Ilona ihre Staatsbuergerschaft wechselte und die oesterreichische annahm (in jener Zeit erhielt eine ungarische Frau unter Verzicht auf die eigene Staatsbuergerschaft automatisch die Staatsbuergerschaft des auslaendischen Ehemannes) und sie wurde sodann bekannt als Ilona Peuker. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder, Anna Maria (Anita) Peuker, im Jahre 1944 noch in Ungarn geboren und Peter Peuker, der im Jahre 1950 in Wien geboren wurde.


Véghely Ilona in Budapest am Tag ihrer Hochzeit. Ungarn, 09.07.1941.

Dona Ilona, wie sie sodann in Brasilien bekannt wurde, hatte vorher immer mit Erfolg in Ungarn, in Deutschland und in Oesterreich gearbeitet, wo sie Technikerin der Nationalmannschaft war und olympische und weltweite Titel einholte.


Ilona Peuker und ihre zwei Kinder: Anna Maria und Peter,
bei der Einschiffung nach Brasilien. Rio de Janeiro, 1953.

Sie gruendete ihre erste brasilianische Mannschaft in Rhythmischer Gymnastik, die Vereinigte Gruppe der Gymnastiker (GUG) im Jahre 1956 und verwirklichte ihre ersten Wettkampfmeisterschaften in Rio de Janeiro und ganz Brasilien.

Ihr beruflicher Weg war gekennzeichnet und bestimmt von ihrer Liebe zu dieser Bewegung und des damit verbundenen kuenstlerischen Ausdrucks. Ihre Schueler hatten das Privileg, mit ihr die Zaubermomente der Schaffung ihrer Choreographien mitzuerleben.

Dona Ilona war vor allem und in erster Linie eine Architektin der Bewegung. Ihr Schaffungsprozess war bestimmt von einer seltenen Gabe fuer Raeumlichkeitsgefuehl.

Ihre Schuelerinnen fuellten diesen imaginaeren Verlauf mit Bewegungen aus, die von ihr bestimmt und von ihnen durchgefuehrt wurden. Fuer die Gymnastikerinnen waren diese Schaffensmomente von unvergleichlicher Art und sie hatten dadurch Kontakt mit einer einzigartigen Freude.

Mit Dona Ilona zu arbeiten bedeutete mehr als nur Gymnastik zu machen, es war ein tiefes Lernen, welches Bewegung, Musik, Ausdruck und Erlebnis vereinte. Sie bildete Menschen fuer ausserhalb der Gymnastik.

Mit ihrer Arbeitsmethode und mit ihrer umfangreichen Lebenserfahrung lehrte sie, welche Art von Disziplin und Strenge, im Training angewandt, zur Erreichung von schwierigen Zielen nuetzlich sein konnte. Es war in der Ueberleistung, in der sie die Freude und das Vergnuegen fuer Kunst und Bewegung entdeckte.

Abgesehen von ihrer anspruchsvollen Persoenlichkeit gab Dona Ilona all ihren Schuelerinnen und Gymnastikerinnen die Moeglichkeit, mit einem kreativen Geist zusammenzuleben, unruhig, freundschaftlich, neugierig und offen fuer alle Einfluesse, ohne jedoch die Fuehrungsgrenze ihrer Bewegungsschule zu verlieren.

Sie lehrte, dass die natuerliche Linie fuer Bewegung niemals gebrochen werden darf. Sie bewies, dass eine unnatuerliche Bewegung dahin fuehrt, dass die Choreografie unharmonisch wirkt und dass wir, ohne die Gruende zu verstehen, diese uns als Zuschauer dann nicht gefaellt.

In ihrer Gymnastikschule wurde dem Gebrauch von Apparaten immer besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Sie verstand dies als eine Verlaengerung des Gymnastikkoerpers bis zu einem Verschmelzungspunkt. Sie wiederholte eindringlichst in ihren Trainingsstunden: “Schlaf mit dem Ball!”

Dona Ilona arbeitete als Professorin und Technikerin der Rhythmischen Gymnastik Brasiliens von 1953 bis 1975, als sie ihre beruflichen Aktivitaeten auf diesem Gebiet beendete.


Ilona und ihr Ehemann, Emil Peuker, Brasilien 1973.

Sie war ebenso, in der Zeit von 1978 bis 1984, Praesidentin des Technischen Komitees fuer Sportliche Rhythmische Gymnastik, der damals gegruendeten Brasilianischen Konfoederation fuer Gymnastik (CBG), in welchem Zeitraum sie den ersten offiziellen Wettbewerb des Internationalen Gymnastikverbandes (FIG) in Brasilien verwirklichte, der Wettbewerb "4 Kontinente".

Obwohl sie niemals total die Beziehung zum Sport verloren hat, war die berufliche Erfahrung der Konfoederation die letzte ihrer offiziellen Aktivitaeten im Zusammenhang mit Gymnastik. Dona Ilona war jedoch weiterhin beim Training ihrer nahestehenden Schuelerinnen anwesend und nahm mit wertvollen Vorschlaegen an deren zu realisierenden Choreographien teil.

Mit ihrem Tode hinterliess Dona Ilona ein unschaetzbares Vermaechtnis an Brasilien. Fuer die Menschen, die mit ihr zusammengelebt hatten, war dieses Vermaechtnis noch groesser. Heute hat die brasilianische rhythmische Gymnastik eine grosse internationale Wertschaetzung und die Mehrheit der Technikerinnen des Landes war eine ihrer Gymnastikerinnen, Gymnastikerin ihrer Gymnastikerin oder Gymnastikerin, die eine Schuelerin einer ihrer Gymnastikerinnen gewesen war.

Heloisa Frossard
Turnerin des GUG

 
siteilonapeuker@netcourrier.com